Aigner als Bundespräsidentin: Druck auf CDU-Chef Merz wächst

In der Debatte um die Bundespräsidenten-Nachfolge wächst der Druck auf CDU-Chef Friedrich Merz, die CSU-Politikerin Ilse Aigner zu nominieren. Nach den CDU-Ministerpräsidenten von Sachsen und Thüringen bezeichnete Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) die bayerische Landtagspräsidentin am Donnerstag als “ganz hervorragende Personalie”. Unterstützungsbekundungen kamen auch von Länder-Regierungschefs von SPD und Grünen.

Nun richtet sich der Blick auf eine Präsidiumssitzung der CDU am Montag, bei der eine Entscheidung fallen könnte. Frei rechnete damit, “dass es in wenigen Tagen einen gemeinsamen Vorschlag der beiden Parteivorsitzenden von CDU und CSU geben wird”. Er ging im Gespräch mit der “Bild”-Zeitung vom Donnerstag davon aus, dass es ein Vorschlag sein werde, der auch über die Union hinaus “breit abgestützt ist”.

Signale dafür gibt es mit Blick auf Aigner: Nachdem andere SPD-Vertreter bereits eine mögliche Nominierung Aigners begrüßt haben, stellte sich Brandenburgs SPD-Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) klar hinter sie: Aigner sei “die perfekte Kandidatin”, sagte er dem Portal Politico. Sie bringe alles mit, was eine gute Bundespräsidentin ausmache: “Sie kennt die deutsche Politik aus dem Effeff.

Sie ist nahbar. Sie mag Menschen, kann zuhören und man hört ihr zu.”Der Thüringer Ministerpräsident Mario Voigt und Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (beide CDU) hatten am Mittwoch Unterstützung für Aigner bekundet. Auch der geschäftsführende Ministerpräsident Sachsen-Anhalts, Sven Schulze (CDU), nannte sie eine “sehr gute Kandidatin für das Bundespräsidialamt”.

Die Bundesversammlung entscheidet am 30. Januar über die Nachfolge von Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier. Merz hatte sich am Montag darauf festgelegt, dass die Union eine Frau als Kandidatin für das höchste Staatsamt vorschlagen werde. Aigner wird schon länger als mögliche Nachfolgerin Steinmeiers genannt – sie wäre nicht nur die erste Frau, sondern auch die erste CSU-Vertreterin in dem Amt.

Allerdings sind auch aus der CDU mehrere Frauen im Gespräch. Kretschmer forderte im CDU-Präsidium am Montag eine Entscheidung. “Die Debatte muss ein Ende haben”, erklärte er in einer Mitteilung. Das Amt des Bundespräsidenten dürfe “kein Gegenstand parteipolitischer Taktik” sein. “Ich gehe davon aus und wünsche mir, dass Ilse Aigner am Montag unsere gemeinsame Kandidatin der Union wird.””Diese Unterstützung zeigt die hohe Akzeptanz für das Angebot einer Kandidatin, die gute Chancen auf ein starkes Ergebnis bereits im ersten Wahlgang hätte”, sagte CSU-Generalsekretär Martin Huber der “Rheinischen Post” zu den Äußerungen der Ost-Ministerpräsidenten der CDU. “Dies würde zugleich ein starkes Ergebnis für die demokratische Mitte bedeuten”.

Aigner selbst sprach sich in der “Zeit” dafür aus, neben dem Koalitionspartner SPD auch die Grünen in der Präsidentenfrage “mit ins Boot” zu holen. Zuvor hatte sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) für eine gemeinsame Kandidatin von Union, SPD und Grünen ausgesprochen. Özdemir bescheinigte Aigner am Donnerstag die Eignung für das höchste Staatsamt: “Sie bringt viel von dem mit, was dieses Amt gerade jetzt braucht”, erklärte er in Stuttgart.

Aigner sei “bodenständig, hat ein Gespür für die Sorgen der Menschen und spricht ihre Sprache”. Nach zwölf Männern an der Staatsspitze sei es in jedem Fall “höchste Zeit für eine Frau im Schloss Bellevue”, betonte Özdemir außerdem. “Gerade wenn die Gräben im Land tiefer werden, brauchen wir eine Persönlichkeit, die Brücken baut und Menschen zusammenführt.” Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann kritisierte Merz für die Hängepartie in der Bundespräsidentenfrage. “Mit jedem weiteren Tag wird der Vorgang um die Benennung einer Bundespräsidentschafts-Kandidatin unwürdiger”, sagte sie dem “Spiegel”. “Offenbar hat Friedrich Merz keine Kontrolle über den Prozess.”

Thu, 05 Nov 2026 13:07:48 GMT