Nach einem mutmaßlich “rechtsextrem” motivierten Schusswaffenangriff im polnischen Krakau mit sechs Todesopfern hat die Staatsanwaltschaft am Sonntag Ermittlungen wegen “Terrorismus” eingeleitet. In Polen galt eine zweitägige Staatstrauer, nachdem am Samstag ein bewaffneter Angreifer in der Altstadt von Krakau sechs Menschen erschossen und 15 weitere verletzt hatte. Regierungschef Donald Tusk sprach von einem “grauenvollen Attentat”.
Der Angreifer raste nach Angaben der Ermittler am Samstagnachmittag in der bei Touristen beliebten Stadt im Süden Polens “mit einem Auto auf den Hauptmarktplatz” und schoss anschließend “wahllos auf Passanten”. Der 24-Jährige, der Medien zufolge Michal O. heißt, wurde bei dem darauffolgenden Polizeieinsatz lebensgefährlich verletzt und wurde nach Behördenangaben am Sonntag weiter im Krankenhaus behandelt. Auf seiner Flucht hatte er sein Auto an einer Kreuzung stehen lassen und dann auf die Einsatzkräfte geschossen.
Dabei wurden zwei Polizisten verletzt, einer von ihnen schwer. Beide Beamten erwachten am Sonntag aus dem Koma. Hunderte Polen standen zum Blutspenden an, nachdem die Polizei zu Blutspenden für den Beamten namens Jakub Kuklik aufgerufen hatte, “der dem bewaffneten Angreifer ohne zu zögern entgegen trat”. Der Täter habe ein “grauenvolles Attentat verübt auf das Leben der Menschen hier in Krakau”, sagte Regierungschef Tusk.
Er informierte auch darüber, dass im Haus des mutmaßlichen Schützen in Ostrowiec Swietokrzyski etwa 150 Kilometer nordöstlich von Krakau die Leichen von zwei Frauen im Alter von 21 und 52 Jahren und eines 53-jährigen Mannes gefunden worden seien. Die Polizei identifizierte die Toten als die Eltern und eine Schwester des Schützen. Die Leichen wiesen demnach Schussverletzungen auf. Im Haus seien zudem sieben Waffen gefunden worden. Nach Angaben der Polizei handelte es sich bei den Toten auf dem Marktplatz um vier Frauen und zwei Männer, darunter Polizisten.
Auch zwei Ausländer waren nach Angaben der polnischen Behörden unter den Todesopfern, ein Brite und eine Österreicherin. Unter den 15 Verletzten sind fünf Nicht-Polen, die nach Berichten der Nachrichtenagentur PAP aus Deutschland, Österreich, Großbritannien, Portugal und Russland kommen. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, “dass bei dem Anschlag auch eine Person mit deutscher Staatsangehörigkeit verletzt wurde”. Das Tatmotiv des Angreifers war zunächst unklar.
Innenminister Marcin Kierwinski sagte, der Schütze, der militärische Tarnkleidung sowie eine kugelsichere Weste trug, sei von “rechtsextremen Ideologien fasziniert”. Polnischen Medienberichten zufolge war er Mitglied eines Schießvereins. In Krakau waren am Sonntag schwarze Flaggen und die polnische Landesflagge mit Trauerbändern zu sehen. Trauernde zündeten in der Nähe des Angriffsortes Kerzen an und legten Blumen ab.
Am Nachmittag wurde ein Trauergottesdienst abgehalten. Papst Leo XIV. erklärte während seiner Südamerika-Reise in einem Schreiben an den Erzbischof von Krakau, er fühle sich mit den Getöteten und ihren Familien verbunden. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs kondolierten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich auf X “tief betroffen”. Er fügte hinzu: “Deutschland steht als Freund und Partner in diesen schweren Zeiten an der Seite Polens.” Auch Außenminister Johann Wadephul (CDU) schrieb dort, Deutschland stehe “in Solidarität mit Polen”.
Schusswaffenangriffe sind in Polen selten. Das Land war in erhöhter Alarmbereitschaft, nachdem es im Oktober eine Serie von Messerangriffen gegeben hatte, die Tusk damals als Teil eines “Kults der Gewalt” verurteilt hatte. Das EU- und Nato-Mitglied Polen hat eine gemeinsame Grenze mit der Ukraine, die sich seit mehreren Jahren gegen den russischen Überfall auf ihr Land wehrt. Womöglich auch vor diesem Hintergrund steigt die Zahl der Waffen im Land kontinuierlich.
Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der Polizei mehr als 50.000 neue Waffenscheine erteilt.
Sun, 08 Nov 2026 17:11:35 GMT
