Russland greift erneut Energieanlagen in der Ukraine an – Hunderttausende ohne Strom

Durch neue massive russische Luftangriffe auf Energieanlagen in der Ukraine sind am Wochenende hunderttausende Menschen von der Strom- sowie von der Wärmeversorgung abgeschnitten worden. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach am Sonntag von “weitreichenden Stromausfällen” im Land. Die Attacken erfolgten kurz vor geplanten Gesprächen Russlands und der Ukraine unter Vermittlung der USA in Abu Dhabi.

Dabei soll es um ein mögliches Ende des russischen Angriffskriegs gehen. Nach Angaben des Energieversorgers DTEK vom Sonntag waren hunderttausende Menschen von Stromausfällen betroffen. Allein in der zentralen Region Dnipropetrowsk seien 600.000 Menschen ohne Zugang zu Elektrizität. Reparaturen an Anlagen würden durch “wiederholte Angriffe erschwert”, fügte DTEK hinzu. Selenskyj erklärte, nach russischen Angriffen in der Nacht seien allein in der Region Schytomyr 140 Wohnblocks ohne Wärmeversorgung gewesen.

Die Temperaturen in der Ukraine liegen derzeit um den Gefrierpunkt. Bei einem weiteren Angriff wurde nach Behördenangaben eine Einrichtung in der Region Charkiw getroffen. Der Bürgermeister von Slatopil, Mykola Bakschejew, teilte mit, in der Stadt seien fast 250.000 Menschen ohne Strom. Trotz Reparaturarbeiten sei nicht klar, wann die Versorgung wieder hergestellt werden könne. Bereits am Samstag hatten russische Luftangriffe auf Energieanlagen nach ukrainischen Regierungsangaben in fünf Regionen des Landes Stromausfälle ausgelöst.

Die Versorgung der Hauptstadt Kiew wurde schwer beeinträchtigt. Laut Bürgermeister Vitali Klitschko wurde auch die Wasser- und Fernwärmeversorgung beeinträchtigt. Nach Angaben Selenskyjs griff Russland zudem Komyschuwacha in der Region Saporischschja mit einer Drohne erneut an. Nach einem bereits am Montag erfolgten Bombenangriff sei die Zahl der Toten dort auf 55 gestiegen. Rettungsdienste hatten zuvor von 50 Toten gesprochen. “Leider könnten sich noch weitere Menschen unter den Trümmern befinden”, fügte Selenskyj hinzu. Nach ukrainischen Angaben hatte der Angriff am Montag auf eine Schule abgezielt, an der Menschen humanitäre Hilfe erhalten hätten, sowie auf einen Schutzraum. Russland setzt seine Attacken ungeachtet diplomatischer Bemühungen um ein Ende des russischen Angriffskriegs fort.

Durch die Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung kam es bereits bei sinkenden Temperaturen wiederholt zu Strom- und Heizungsausfällen. Wegen dieser Angriffe befürchtet die Ukraine einen weiteren schwierigen Kriegswinter. Selenskyj warf Moskau vor, mit den Angriffen den Druck vor den am Dienstag und Mittwoch geplanten Gesprächen im Golfemirat Abu Dhabi erhöhen zu wollen. Bei den bevorstehenden Dreiergesprächen  werden die Europäer nach den Worten des französischen Außenministers Jean-Noël Barrot “gut vertreten” sein. “Frankreich wird in Abu Dhabi sein, um an den Gesprächen teilzunehmen”, sagte Barrot am Sonntag. Es ist das erste Treffen in diesem Format seit Februar.

In der Vergangenheit habe es ähnliche Gespräche “manchmal mit den Europäern, manchmal ohne die Europäer” gegeben, sagte Barrot. “Dieses Mal werden sie teilnehmen. Frankreich wird dort sein und die Stimme Europas hörbar machen”, sagte der Außenminister. Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni hatte am Donnerstag Europas Vorgehen bei den Ukraine-Verhandlungen kritisiert und eine gemeinsame EU-Verhandlungsvertretung gefordert.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte am Freitag, ein Friedensabkommen im Ukraine-Krieg dürfe nicht ohne die EU-Staaten geschlossen werden. US-Präsident Donald Trump hatte am Donnerstag nach einem Treffen mit einem Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin ein “sehr großes” Abkommen mit Russland angekündigt, das nicht nur die Ukraine, sondern möglicherweise “ganz Europa” betreffen werde. 

Sun, 08 Nov 2026 14:59:09 GMT