Bestürzung über Tod von Freie-Wähler-Chef Aiwanger – kein Hinweis auf Straftat

Der plötzliche Tod von Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger hat über Bayern hinaus in ganz Deutschland für große Bestürzung gesorgt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte sich am Donnerstag “tief betroffen”. “Die Bundesrepublik verliert einen streitbaren Politiker, der leidenschaftlich für seine Überzeugungen eingetreten ist”, erklärte er. Aiwanger war am Mittwochabend tot in einem Hotelzimmer in Berlin-Mitte entdeckt worden.

Die Obduktion ergab den Ermittlungsbehörden zufolge keine Anhaltspunkte für eine Straftat. Der 55-jährige Aiwanger hielt sich in Berlin auf, um das neue Hauptstadtbüro der Freien Wähler zu eröffnen, fehlte aber bei der Veranstaltung seiner Partei. Nach dem Auffinden seiner Leiche leiteten Polizei und Staatsanwaltschaft ein Todesermittlungsverfahren ein, um die Umstände und Ursache von Aiwangers Tod aufzuklären.

Das vorläufige Ergebnis der Obduktion am Donnerstag habe keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden ergeben, erklärte die Staatsanwaltschaft Berlin und kündigte zugleich “weitere gerichtsmedizinische Untersuchungen” an. Aiwanger war seit 2018 bayerischer Wirtschaftsminister und stellvertretender Regierungschef, seine Partei regiert im Freistaat in einer Koalition mit der CSU. Die bayerischen Freien Wähler führte der für seinen niederbayerischen Dialekt bekannte Aiwanger seit 2006, seit 2008 war er Abgeordneter im Landtag.

Seit 2010 amtierte der Agraringenieur auch als Bundesvorsitzender der Freien Wähler. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erklärte am Donnerstag, mit Aiwanger gehe “ein echtes Mannsbild, ein starker Bayer, ein guter Wirtschaftsminister und ein warmherziger Mensch”. Mit ihm verliere Bayern eine “prägende Figur”. Er kündigte an, die gemeinsame Politik von CSU und Freien Wählern in Bayern fortzusetzen.

Söder ordnete Trauerbeflaggung im Freistaat an. Im Prinz-Carl-Palais in München liegt ab Freitag für vier Tage ein Kondolenzbuch aus, in das sich Bürgerinnen und Bürger eintragen können. Die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) würdigte Aiwanger als “scharfsinnigen politischen Denker und Streiter”. “Er war ein niederbayerisches Unikat, im besten Sinn bodenständig, fest verwurzelt in seiner Heimat und auch der Landwirtschaft, aber offen für Fortschritt.”Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) äußerte sich ebenfalls betroffen über den Tod des Politikers. “Hubert Aiwanger hat die Politik im Freistaat über viele Jahre mitgeprägt”, erklärte Dobrindt in Berlin.

Bayern werde ohne ihn “ein anderes sein”, erklärten die Freien Wähler im Freistaat. Landtagsfraktionschef Florian Streibl teilte mit: “Tief bestürzt, mit unendlich tiefer Trauer und Entsetzen müssen wir akzeptieren, dass unser Hubert Aiwanger viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde.”Auch SPD und Grüne in Bayern zeigten sich betroffen. Aiwanger sei ein “Politiker mit Ecken und Kanten” gewesen, erklärte die Grünen-Landesvorsitzende Eva Lettenbauer.

SPD-Fraktionschef Holger Grießhammer bezeichnete Aiwanger als streitbaren und leidenschaftlichen Politiker, der sich mit großer Überzeugung für Bayern eingesetzt habe. Auch aus anderen Bundesländern kamen betroffene Reaktionen. “Hubert Aiwanger war ein streitbarer Kopf, aber immer ehrlich und nie um ein offenes Wort verlegen”, erklärte Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD).

Aiwanger habe für Verlässlichkeit gestanden. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) würdigte Aiwanger als “streitbaren Politiker, für den seine bayerische Heimat immer im Mittelpunkt stand”. Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) bezeichnete ihn als “Politiker mit Ecken und Kanten, der für seine Überzeugungen kämpfte”. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in München sagte dem Sender Welt TV, Staatssekretär Tobias Gotthardt (Freie Wähler) sei auf der Rückreise von einem Auslandsaufenthalt nach München, um die Amtsgeschäfte zu übernehmen.

Der Bayerische Rundfunk (BR) änderte angesichts des Todesfalls sein Programm. Für 19.00 Uhr kündigte der Sender ein “BR24 extra” an. Zudem würden die Nachrichten um 21.45 Uhr “aufgrund der Nachrichtenlage” um fünf Minuten verlängert, hieß es.

Thu, 05 Nov 2026 15:07:19 GMT