Dänisch-ägyptische Regisseurin May el-Toukhy gewinnt Goldenen Löwen in Venedig

Die dänisch-ägyptische Regisseurin May el-Toukhy ist beim Filmfestival in Venedig für ihren Film “Woman Unknown” mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden. El-Toukhy nahm den Hauptpreis des renommierten Festivals am Lido am Samstagabend entgegen. Die Hauptdarstellerin des Films, Mathilde Arcel, wurde als beste Schauspielerin ausgezeichnet. John Malkovich wurde für seine Rolle als CIA-Agent in dem Film “Wild Horse Nine” als bester Schauspieler geehrt.

Die Gaza-Dokumentation “Naza” gewann den Spezialpreis der Jury. “Woman Unknown” erzählt die Geschichte einer Hausangestellten kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Dänemark. Die junge Frau steht vor einer Hochzeit mit dem reichen Witwer heiraten, für den sie arbeitet. Doch ihre bislang geheim gehaltene Affäre mit einem deutschen Soldaten während des Kriegs droht ihre Pläne zunichte zu machen. “In ‘Woman Unknown’ geht es um den weiblichen Körper als Schlachtfeld und als Thema von öffentlichem Interesse.

Gleichzeitig erzählt der Film die Geschichte unsichtbarer, ignorierter und stimmloser Frauen”, sagte el-Toukhy bei der Preisverleihung. Die Regisseurin bedankte sich bei Jury-Präsidentin Maggie Gyllenhaal dafür, dass sie “ihre Stimme erhoben und die mangelnde Chancengleichheit für Regisseurinnen in unserer Branche” thematisiert habe. Gyllenhaal hatte den geringen Frauenanteil zu Beginn des Festivals als “systemisches Problem” bezeichnet.

Es sei für Frauen “viel schwieriger”, eine Finanzierung für ihre Filme zu bekomme, sagte sie. “Woman Unknown” war anfangs der einzige Film einer Frau unter den zunächst 20 Wettbewerbsfilmen. Die nachträgliche Aufnahme der Gaza-Dokumentation “Naza” verbesserte das Geschlechterverhältnis nur geringfügig: Die israelische Filmemacherin Rachel Szor führte bei dem Film gemeinsam mit ihrem Kollegen Yuval Abraham Regie. “Naza” hatte bei seiner Premiere in Venedig mit 25 Minuten stehenden Ovationen wohl einen Rekord aufgestellt und wurde auch von Kritikern hoch gelobt.

In der Dokumentation berichten israelische Militärvertreter und Geheimdienstler anonym, wie die israelische Armee im Gazastreifen palästinensische Zivilisten tötete. Abraham und Szor waren auch an dem Dokumentarfilm “No Other Land” über den Konflikt zwischen Palästinenser und Israelis im Westjordanland beteiligt, der 2025 mit dem Oscar als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde. Den Silbernen Löwen gewann der südkoreanische Regisseur Lee Chang Dong für seinen Film “Possible Love” über die Geschichte zweier Ehepaare aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Der Preis für die beste Regie ging an den in Russland geborenen Regisseur Ilja Chrschanowski für sein experimentelles Filmprojekt “DAU”.

Der vom Medienboard Berlin-Brandenburg geförderte Film wurde von der Berliner Produktionsfirma Coproduction Office produziert. John Malkovich sicherte sich den Preis für den besten Schauspieler. Der 72-Jährige spielt in der schwarzen Komödie “Wild Horse Nine” einen zynischen CIA-Agenten, der 1973 zusammen mit einem Kollegen nach Chile reist, kurz bevor sich dort das Militär an die Macht putscht.

Zu Beginn und zur Halbzeit der 83. Auflage des Festivals in Venedig waren der US-Schauspieler und Filmemacher George Clooney sowie die US-Schauspielerin Ellen Burstyn mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk geehrt worden. Auch Film-Stars wie Russell Crowe, Chiara Mastroianni und Robert Pattinson wurden durch das Festival an den Lido gelockt. Im vergangenen Jahr war US-Regisseur Jim Jarmusch für seinen Film “Father Mother Sister Brother” über dysfunktionale Familien in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden.

Den Silbernen Löwen gewann 2025 Doku-Drama “The Voice of Hind Rajab” der Regisseurin Kaouther Ben Hania über den Krieg im Gazastreifen.

Sat, 12 Sep 2026 20:25:18 GMT