Ein europäisches Expertengremium hat sich für ein Social-Media-Verbot in der EU für Kinder unter 13 Jahren ausgesprochen. Darüber hinaus seien Beschränkungen für ältere Jugendliche denkbar, solange Onlinedienste sie nicht vor Suchtgefahren, Gewaltdarstellungen und Hassrede schützten, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Einschätzung des Gremiums. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellte sich hinter die Vorschläge.”Es muss ein Mindestalter geben, ab dem sich Kinder auf Social Media anmelden können”, sagte von der Leyen in Brüssel. “Wir müssen einen schrittweisen Zugang für unterschiedliche Altersgruppen in Betracht ziehen”, fügte sie hinzu.
Die Experten empfehlen, dass Kleinkinder unter drei Jahren gar keine Zeit vor dem Bildschirm verbringen sollen. Kinder bis einschließlich zwölf Jahren sollen ihrer Einschätzung nach nur unter Aufsicht ihrer Eltern oder Lehrer Zugang zu Angeboten wie Lern-Apps haben. Ab 13 Jahren sollen bestimmte Internetseiten und Apps grundsätzlich erlaubt sein, andere womöglich erst ab 15 oder 16 JahrenDie EU will dafür sorgen, dass die großen Digitalkonzerne ihre Angebote für Kinder und Jugendliche sicherer machen.
Brüssel hat unter anderem die Suchtgefahr und Gewaltdarstellungen bemängelt, in der EU-Kommission laufen deshalb Verfahren gegen mehrere Unternehmen.”Ein ganzes Ökosystem rund um Kinder herum muss sich ändern”, sagte einer der Vorsitzenden des Gremiums, der Ulmer Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie Jörg Fergert. “Aber wir haben keine Zeit”, fügte er hinzu. Kinder und Jugendliche seien “jetzt und heute” den Gefahren in Onlinediensten ausgesetzt.
Von der Leyen will im September ankündigen, wie sie die Empfehlungen des Gremiums in EU-Gesetze umsetzen will. Die EU-Kommission muss dafür zunächst einen Gesetzesvorschlag machen, über den anschließend das Europaparlament und der Rat der 27 Mitgliedstaaten beraten müssen. Zahlreiche EU-Länder planen bereits eigene Social-Media-Verbote, darunter Dänemark, Spanien, Griechenland und Frankreich.
In Deutschland hat sich ein Expertengremium für eine EU-weite Lösung ausgesprochen, Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) will bis Jahresende aber auch einen eigenen Gesetzentwurf vorlegen. Die deutschen Experten hatten zu einem Verbot für Kinder unter 13 Jahren oder zu Beschränkungen für einzelne Dienste je nach Risiko geraten. Jedes EU-Land kann theoretisch ein eigenes Mindestalter festlegen, für die Umsetzung ist aber ohnehin die EU-Kommission zuständig.
Sie überwacht die großen Onlinedienste wie Instagram, Tiktok und Snapchat, nur sie kann die Konzerne zu Änderungen zwingen und bei Verstößen Bußgelder verhängen.
Mon, 13 Jul 2026 09:54:29 GMT
