“Größte Kampfschiffe” der Marine: Aus für Projekt zum Bau von F126-Fregatten
Nach dem Scheitern des Kampfjet-Projekts FCAS muss Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) einen weiteren Rückschlag bei einem Großvorhaben hinnehmen: Am Mittwoch gab sein Ministerium bekannt, dass die geplante Beschaffung von sechs Fregatten des Typs F126 aufgegeben werde. Als Grund nannte es Kostenüberschreitungen und massive Verzögerungen. Für das Projekt wurden bereits mehrere Milliarden Euro ausgegeben – wie viel der Bund davon zurückbekommt, muss in einem Schadenersatzverfahren gerichtlich geklärt werden.
Die 166 Meter langen F126-Fregatten sollten laut Ministerium “die größten Kampfschiffe” der deutschen Marine werden. Die Entscheidung zum Stopp des Projekts sei getroffen worden, “weil wir eine Verantwortung für unseren Haushalt, für das Geld und für unsere Bürger haben”, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums. “Dementsprechend konnten wir nicht mehr zusehen, dass dieses Projekt zeitlich und finanziell aus dem Rahmen läuft.”Statt der F126-Fregatten sollten acht Fregatten der Meko-Klasse des deutschen Herstellers TKMS im Wert von insgesamt 11,6 Milliarden Euro angeschafft werden.
Das erste der Schiffe soll laut Ministerium Ende 2029 ausgeliefert werden. Die F126-Fregatten waren im Jahr 2020 in Auftrag gegeben worden und sollten rund zehn Milliarden Euro kosten. Eine erste Fregatte sollte Mitte 2028 geliefert werden. Bis 2033 sollten dann alle sechs Fregatten der Marine zur Verfügung stehen. Generalunternehmer war die niederländische Werft Damen Naval, die aber die vertraglich vereinbarten Lieferfristen nicht einhalten konnte.
Das Ministerium erwog darauf, den Generalunternehmer zu wechseln. Dies wurde aber nun verworfen und der Ausstieg aus dem Projekt beschlossen. Das Ministerium reagiere damit “auf die erheblichen Verzögerungen im Projekt, die absehbaren Kostensteigerungen und Risiken, die mit einem Generalunternehmerwechsel einhergegangen wären”, erklärte das Verteidigungsressort. “Intensiv geprüft” wurde demnach seit 2025 die Übergabe des Projekts an die deutsche Naval Vessels Lürssen B.
V. & Co. KG (NVL). Die Prüfung habe ergeben, “dass aufgrund der Projektsituation erhebliche Mehrkosten zur Fortsetzung des Vorhabens entstehen würden”, erklärte das Ministerium. Genannt wurde ein Gesamtbetrag von über 18 Milliarden Euro.”Außerdem hätte der Bund bei einem Generalunternehmerwechsel vertraglich auf mögliche Schadenersatzansprüche gegenüber dem bisherigen Auftragnehmer verzichten müssen”, hieß es in der Mitteilung des Ministeriums weiter.
Die Höhe möglicher Schadenersatzansprüche sei “aktuell Teil der juristischen Überprüfung”. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, es seien bereits “Kosten im Milliardenbereich” entstanden. Verteidigungspolitiker begrüßten den Ausstieg aus dem F126-Projekt. “Die deutsche Marine kann sich angesichts der sicherheitspolitischen Lage keine jahrelange Hängepartie bei einem zentralen Rüstungsprojekt leisten”, sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), der “Rheinischen Post”.
Seine SPD-Kollegin Siemtje Möller sah einen “wichtigen Kurswechsel” in der Rüstungsbeschaffung der Bundeswehr: “Weg von überambitionierten Goldrandlösungen, hin zu pragmatischen, marktverfügbaren und wirtschaftlichen Beschaffungen.”Mit dem Ausstieg aus dem F126-Bau kommt nun voraussichtlich der deutsche Hersteller TKMS (früher: ThyssenKrupp Marine Systems) zum Zug, mit dem Anfang des Jahres schon Vorgespräche stattfanden.
Die Meko-Reihe wird in verschiedenen Modellen seit den 1980er Jahren gebaut. Bestellt werden soll nun der Typ Meko A 200. Das Verteidigungsministerium will die Beschaffung von acht dieser Schiffe mit einer Länge von 120 Metern beim Haushaltsausschuss des Bundestags “schnellstmöglich” beantragen. Der Beschaffungspreis für die ersten vier Fregatten liegt demnach bei rund 6,3 Milliarden Euro.
Eine Option über vier weitere Schiffe könnte bis Ende 2026 für rund 5,3 Milliarden Euro ausgelöst werden. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums betonte, dass Deutschland bei der Fähigkeit zur U-Boot-Jagd Nachholbedarf habe. Dieser Bereich sei in den vergangenen Jahrzehnten “teilweise vernachlässigt” worden, sagte er. Es gebe “aktuell eine Bedrohung durch U-Boote und Unterwasserfähigkeiten, die es erforderlich machen, dass wir diese Fähigkeit aufbauen”, fügte er an.
Der Sprecher verwies dabei insbesondere auf Seeverbindungslinien in Nordsee, Ostsee, aber auch im Nordatlantik.
Wed, 24 Jun 2026 14:30:13 GMT
