Sexueller Missbrauch von über 70 Kindern: Arzt in Potsdam vor Gericht
Vor dem Landgericht Potsdam hat am Montag der Prozess gegen einen Kinderarzt aus Brandenburg wegen sexuellen Missbrauchs von mehr als 70 Kindern und Jugendlichen begonnen. Zum Verhandlungsauftakt verlas die Staatsanwaltschaft knapp drei Stunden lang die Anklage gegen den 46-Jährigen, dem insgesamt 130 Straftaten vorgeworfen werden. Der Angeklagte ist geständig. Der Anklage zufolge verübte der Mann einen Großteil der Taten im Rahmen seiner Tätigkeit als Arzt an Klinikstandorten in Rathenow und Nauen.
Meist suchte er seine überwiegend männlichen Opfer in ihren Patientenzimmern auf. Dort forderte er die Kinder und Jugendlichen auf, sich zu entblößen und fertigte Fotos und teils auch Videos an. In zahlreichen Fällen beging er zudem unter dem Vorwand etwa von Lymphdrüsen- oder Prostatauntersuchungen schwere Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung der Opfer. In mindestens vier Fällen nutzte der Angeklagte zudem den Besuch von Kindertagesstätten in Brandenburg im Auftrag des Gesundheitsamts aus, wo er medizinische Untersuchungen voenehmen sollte.
Dort soll er mehrere Kleinkinder sexuell missbraucht und davon Videos und Fotos gemacht haben. Im Jahr 2023 soll er darüber hinaus mehrmals einen ehemaligen Patienten in einer sogenannten Bereitschaftswohnung der Klinik in Nauen getroffen haben. Dabei kam es mehrfach zu sexuellen Handlungen mit dem 15- beziehungsweise später 16-Jährigen. Auch davon fertigte der Mann Videos an. Auch soll der Angeklagte mit Minderjährigen gechattet und von ihnen sexualisierte Fotos verlangt und bekommen haben.
Auch in der Privatwohnung des 46-Jährigen soll es zu schweren sexuellen Straftaten an Minderjährigen gekommen sein. Der Beschuldigte wurde vor rund einem Jahr nach dem mutmaßlichen Missbrauch eines Kindes in einer Klinik in Rathenow festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die Mutter des Kindes hatte den Arzt angezeigt, woraufhin die Ermittlungen ins Rollen kamen. Bei anschließenden Durchsuchungen wurden Datenträger mit Bildmaterial beschlagnahmt, die weitere Taten zeigten. Der Beschuldigte äußerte sich nach der Anklageverlesung in einem kurzen Statement.
Er habe zu fast allen Vorwürfen Geständnisse abgelegt und bleibe auch dabei, sagte der Arzt. Es sei ihm bewusst, dass er große Schuld auf sich geladen habe. Er wünsche sich, dass seine Opfer das Geschehene eines Tages hinter sich lassen könnten. Daher wolle er ihnen eine Aussage als Zeugen ersparen. Die Verteidigung des 46-Jährigen kündigte an, dass er sich im Verlauf des Prozesses detaillierter äußern werde. In dem Prozess treten 15 Betroffene oder deren Erziehungsberechtigte als Nebenkläger auf.
Mit einem Urteil wird Mitte Dezember gerechnet.
Mon, 02 Nov 2026 11:54:46 GMT
