Erdrutsch-Sieg von US-Demokraten verschlechtert Aussichten für Rechenzentren
Die massiven Erfolge demokratischer Kandidatinnen und Kandidaten bei den US-Kongresswahlen stellen den von US-Präsident Donald Trump befürworteten massiven Ausbau von Rechenzentren im Land infrage. An den US-Börsen steuerten Tech-Riesen wie Elon Musks SpaceX am Mittwoch auf ein Minus beim Handelsbeginn zu. In Asien verzeichneten Chiphersteller wie Samsung und SK Hynix aus Südkorea Kursverluste.
Die Aktie des japanischen Hersteller Kioxia fiel um mehr als fünf Prozent, Advantest und Softbank verloren mehr als drei Prozent. Trumps Republikaner hatten am Dienstag eine heftige Pleite eingefahren: Bei den sogenannten Midterms eroberten die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat zurück. Wachsende Sorgen um die Auswirkungen von Rechenzentren auf die Umwelt hatten zuvor eine wichtige Rolle im Wahlkampf gespielen.
Vielerorts gab es in den USA Widerstand gegen den Bau von Rechenzentren, die sehr viel Energie und Wasser benötigen. Trump unterstützt jeglichen Ausbau von Infrastruktur für Künstliche Intelligenz, die er selbst “Superintelligenz” nennt. Sicherheitsbedenken wischt er hingegen beiseite: Es gebe eine “kranke Verschwörung” gegen KI und die dafür nötigen Rechenzentren, erklärte Trump etwa im September.
KI-Skeptiker verunglimpfte er unter anderem als “Verschwörungstheoretiker” und “Verräter”. Das Präsidentenlager verlor nun wichtige Hochburgen wie Texas. Dort gingen die Ämter des Senators und des Gouverneurs an demokratische Politiker, die sich für eine strengere Regulierung von Rechenzentren einsetzen. “Es muss unverzüglich ein Moratorium für Rechenzentren verhängt werden”, hatte insbesondere Gina Hinojosa im Wahlkampf angekündigt.
Sie siegte im Rennen gegen den texanischen Gouverneur Greg Abbott. Der Republikaner hatte 2025 erklärt, Texas zum “Nervenzentrum der KI-Entwicklung” machen zu wollen. Hinojosa plädierte neben dem Moratorium auch für die Abschaffung von Steuerbefreiungen für den Tech-Sektor, ebenso wie ihr Parteikollege James Talarico, der am Dienstag zum Senator für Texas gewählt wurde. Viele Analysten sahen die Wahlen in dem historisch konservativen Südstaat als Gradmesser für den KI-Infrastrukturausbau.
Der Google-Mutterkonzern Alphabet will in Texas mehrere riesige Rechenzentren bauen. Der Milliardär Elon Musk hat die Hauptsitze seiner Unternehmen Tesla und SpaceX nach Texas verlegt und ein Vermögen ausgegeben, um die Republikaner im Wahlkampf zu unterstützen. In der Wahlnacht witzelte er mit Blick auf den Siegeszug der Demokraten: “Rechenzentren im Weltraum scheinen derzeit besonders interessant zu sein.”Die Euphorie rund um die KI-Entwicklung hatte die Aktienkurse der Tech-Unternehmen in den vergangenen Jahren befeuert.
Doch inzwischen gibt es massive Zweifel daran, ob sich die Milliardeninvestitionen vor allem in neue Rechenzentren am Ende tatsächlich lohnen.”Der demokratische Widerstand gegen den raschen Ausbau von Rechenzentren könnte sich auf den Stromverbrauch, ökologische Einschränkungen, die Belastung der örtlichen Infrastruktur, Wettbewerbspolitik und die sozialen Folgen des KI-Einsatzes konzentrieren”, erklärte Marktstratege Patrick Munnelly von der Tickmill Group. “Nichts davon bedeutet zwangsläufig das Ende des langfristigen KI-Themas, aber es kann die Schwelle für Investitionen erhöhen.”Auch die Demokratin Keisha Lance Bottoms, die zur Gouverneurin von Georgia gewählt wurde, hatte sich für einen vorübergehenden, landesweiten Baustopp für neue Rechenzentren stark gemacht.
Amy Acton, die zur Gouverneurin von Ohio gewählt wurde, plant ebenfalls strengere Regeln für die Konzerne. Der Regulierung von Rechenzentren auf Ebene der Bundesstaaten kommt eine wichtige Rolle zu – und damit den Gouverneuren. Finanzanalyst Jim Bianco erklärte im Onlinedienst X, dass Politiker, die ihr Amt behalten wollen, angesichts der Ergebnisse bei den Kongresswahlen die Botschaften der Wähler in Bezug auf Rechenzentren “ernst nehmen” dürften.
Wed, 04 Nov 2026 12:13:16 GMT
