Erdrutschsieg bei US-Wahlen: Demokraten fügen Trump schwere Niederlage zu

Die US-Demokraten haben bei den Kongresswahlen einen triumphalen Sieg eingefahren und Präsident Donald Trump damit eine schwere Niederlage zugefügt. Die Oppositionspartei konnte Trumps Republikanern bei den sogenannten Midterms am Dienstag die Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus entreißen. Damit können die Demokraten Trump das Regieren in den verbleibenden zwei Amtsjahren erheblich erschweren.

Der Präsident, der vor der Wahl immer wieder Betrugsvorwürfe erhoben hatte, erklärte überraschend, das Wahlergebnis anzuerkennen. Bei den Wahlen konnten die Demokraten den Republikanern inmitten von großem Frust über Trumps Politik und miserablen Zustimmungswerten des Präsidenten laut Prognosen von US-Sendern sieben Sitze im Senat abnehmen. Sie stellen demnach im Oberhaus künftig eine Mehrheit von 54 der 100 Senatoren.

Im Repräsentantenhaus stellen die Demokraten den Prognosen zufolge künftig rund 259 der insgesamt 435 Abgeordneten. Die Mehrheit liegt bei 218 Sitzen. Dabei konnten die Demokraten auch Mandate in zahlreichen bisherigen Hochburgen der Republikaner gewinnen, darunter in den konservativen Bundesstaaten Texas und Kansas. Zu den größten Sensationen der Wahlnacht gehörte der Sieg des 37-jährigen Demokraten James Talarico in Texas gegen den Trump-Verbündeten Ken Paxton im Rennen um einen Senatssitz.

Auch das Gouverneursrennen in dem südlichen Bundesstaat gewannen die Demokraten. Kaum weniger spektakulär war der Sieg des protestantischen Predigers Adam Hamilton von den Demokraten bei der Wahl zum US-Senat in Kansas, wo die Partei seit 1932 keinen Senatsposten mehr innehatte. Die Eroberung von bisherigen republikanischen Senatsmandaten gelang den Demokraten auch in Maine, Iowa, North Carolina, South Carolina und Ohio. In Michigan, das schon zuvor einen Demokraten als Senator hatte, gelang Abdul El-Sayed vom linken Demokratenflügel ein vielbeachteter Sieg.

Er wird als erster Muslim der Geschichte in den US-Senat einziehen.”Amerika ist zurück”, jubelte der Fraktionschef der Demokraten im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, der jetzt als erster Afroamerikaner der Geschichte Vorsitzender der Kongresskammer werden dürfte. Talarico sprach von einem Sieg gegen “Goliath”. Für Trump bedeutet der Triumph der Demokraten auch eine schwere persönliche Niederlage: Bis zuletzt hatte er die Midterms zu einer Abstimmung über sich selbst und seine Politik erklärt.

Auf die schwere Niederlage seiner Republikaner reagierte der Präsident dann trotzig: Hätte er selbst auf den Stimmzetteln gestanden, hätten seine Republikaner “erdrutschartig gewonnen”, schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social. Zugleich schlug Trump ungewöhnlich versöhnliche Töne an: “Ich bin absolut bereit, diese Ergebnisse zu akzeptieren”, sagte er der “New York Times”, nachdem er über Wochen Zweifel an den Wahlen geschürt hatte.

Er “freue” sich auf die Kooperation mit den Demokraten. Allerdings machte Trump noch in der Wahlnacht deutlich, dass er Gesetzesvorhaben der Demokraten mit seinem Veto blockieren dürfte. In den dramatischen Stimmeineinbrüchen der Republikaner spiegelt sich die weitverbreitete Frustration in der US-Bevölkerung über Trumps Kurs. Nicht zuletzt die infolge des Iran-Kriegs und seiner aggressiven Zollpolitik stark gestiegenen Spritpreise und sonstigen Lebenshaltungskosten sorgen für großen Unmut.

Trumps Beliebtheitswerte sackten ab. Im Nachrichtensender Fox News räumte Trump ein, dass der von ihm Ende Februar begonnene Krieg gegen den Iran eine Rolle bei der Wahlpleite gespielt habe: “Ich denke, ein Teil davon war Iran.”Auch das brutale Vorgehen der Einwanderungsbehörden gegen Migranten sowie Korruptionsvorwürfe gegen Trump und sein Umfeld waren wichtige Themen im Wahlkampf – und die Nähe des Präsidenten zu Superreichen wie Multimilliardär Elon Musk, der den Wahlkampf der Republikaner mit fast einer halben Milliarde Dollar unterstützt hatte.

Die Kontrolle der Demokraten über den Kongress engt Trumps Handlungsspielraum in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit stark ein. Die Demokraten können nun unter anderem Gesetzesprojekte der Regierung sowie die Ernennung von Bundesrichtern blockieren. Sie wollen außerdem eine Reihe von Untersuchungen zu Trump und seiner Regierung einleiten. Demokraten-Anführer Jeffries kündigte an, die Demokraten würden “diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die diesem Land beispiellose Korruption zugefügt haben”.

Der Wahlausgang sorgte international für gemischte Reaktionen. Der iranische Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammed Bagher Ghalibaf erklärte im Onlinedienst X, die US-Bürger hätten “Nein zum Krieg” gesagt. “Und wir unterstützen diese Botschaft”. China bekräftigte seine Bereitschaft zu einer weiteren Zusammenarbeit mit den USA. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gratulierte den Demokraten zu einem “historischen Sieg”.

Spaniens linker Regierungschef Pedro Sánchez, der Ende November vor sehr schwierigen Neuwahlen steht, erklärte, die weltweite “ultrarechte Welle” zerfalle. Es gab aber auch Warnungen, dass Trump nach der Wahlniederlage noch unberechenbarer werden könnte. Der deutsche Europaabgeordnete Bernd Lange (SPD) warnte vor einem “noch aggressiver” agierenden US-Präsidenten. “Aus einer lame duck könnte sehr schnell eine angry duck werden”, erklärte Lange unter Bezug auf den Ausdruck “lahme Ente” für einen US-Präsidenten ohne Kongressmehrheit.

Der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Metin Hakverdi (SPD), sagte, er erwarte keine Neuausrichtung der US-Außenpolitik. Schließlich sei Trump “nach wie vor – das ist ja sein Markenzeichen – unberechenbar und sehr wechselhaft”, sagte Hakverdi dem Sender Phönix. Bei den Midterms wurden am Dienstag das gesamte Repräsentantenhaus und etwa ein Drittel des Senats neu gewählt.

Außerdem fanden zahlreiche Gouverneurswahlen statt. Auch dort fuhren die Demokraten spektakulärer Siege ein. In Georgia eroberte die Demokratin Keisha Lance Bottoms den Gouverneursposten nach fast einem Vierteljahrhundert von den Republikanern zurück. In Texas schaffte es die Demokratin Gina Hinojosa, den republikanischen Gouverneur Greg Abbott aus dem Amt zu drängen. Erstmals seit 16 Jahren werden die Demokraten damit wieder die Mehrheit der US-Gouverneure stellen.

Wed, 04 Nov 2026 11:37:56 GMT