Pistorius rechnet nicht mit Rückkehr zur Wehrpflicht – Kritik aus der Union

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) rechnet derzeit nicht mit einer Rückkehr zur Wehrpflicht und setzt beim Personalaufwuchs der Bundeswehr auf die Freiwilligkeit. Wenn sich der aktuelle Kurs fortsetze, “haben wir keine Aufwuchsprobleme”, sagte er den Funke-Zeitungen (Samstagsausgaben). Dann müsse es auch “keine Diskussion geben über eine wie auch immer auszugestaltende Wehrpflicht”.

Kritik an diesen Äußerungen kam vom Koalitionspartner CDU. Die im neuen Wehrdienst-Modernisierungsgesetz verankerten Maßnahmen wirkten, sagte Pistorius. Die Bundeswehr habe aktuell mit rund 190.000 Soldatinnen und Soldaten den höchsten Stand seit 13 Jahren. Im Deutschlandfunk bekräftigte er ebenfalls, dass er an das Prinzip der Freiwilligkeit glaube. “Aber ich kann natürlich nicht in die Zukunft gucken”, sagte Pistorius.

Die Rekrutierungskurve könne auch in zwei oder drei Jahren wieder abfallen. “Dann müssen wir reagieren.”Zu den jüngsten Demonstrationen junger Menschen, die sich auch gegen eine Wehrpflicht richteten, sagte Pistorius, er habe viel Verständnis für die Sorgen junger Leute, die sich noch nie mit diesen Fragen hätten beschäftigen müssen. “Aber wenn es auf den Demonstrationen heißt, wir wollen nicht an die Front und im Krieg sterben, dann kann ich nur sagen: Wir wollen genau dasselbe.”Gerade deshalb seien starke Streitkräfte notwendig, “die abschrecken können, damit wir gar nicht in die Situation kommen, überhaupt irgendwo kämpfen zu müssen”, sagte der Verteidigungsminister.

Der Minister kündigte dabei neue Anstrengungen an, um mehr Frauen für den Dienst zu gewinnen. Zahlenmäßig seien die Streitkräfte weiterhin ein “Männerladen”, das werde sich so schnell auch nicht ändern lassen.”Aber wir wollen mehr Frauen in der Bundeswehr haben. Sie ist gerade dann besonders stark, wenn sie die Breite unserer Gesellschaft abdeckt”, betonte Pistorius.

Derzeit sei eine positive Entwicklung bei den Bewerbungen und Einstellungen von Frauen zu sehen. Die Zahlen seien aber noch nicht zufriedenstellend. An den Äußerungen zur Wehrpflicht kam Kritik aus der CDU. “Vorsichtiger Optimismus ist ok, voreilige Aussagen sind deplatziert”, sagte Fraktionsvize Norbert Röttgen (CDU) dem “Kölner Stadt-Anzeiger”. Zwar seien die Zahlen zum Aufwuchs der Bundeswehr erfreulich. “Aber wir sind mit dem ersten Erfolg noch lange nicht da, wo wir hin müssen.

Es sind die ersten fünf Kilometer eines Marathon.”Auch der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Thomas Röwekamp (CDU), widersprach Pistorius. “Entscheidend ist, dass die Bundeswehr schnellstmöglich die personelle Stärke erreicht, die sie für ihre Aufgaben braucht”, sagte er derselben Zeitung. “Wenn die Freiwilligkeit dafür nicht ausreicht, müssen wir zur Wehrpflicht zurückkehren.” Die Debatte darüber und über ein allgemeines verpflichtendes Dienstjahr sei “jetzt” nötig, die aktuelle sicherheitspolitische Lage lasse beim Personalaufwuchs “keinen Spielraum”. 

Sat, 07 Nov 2026 12:57:06 GMT