Bittere Pleite für Trump: US-Demokraten erobern Repräsentantenhaus und Senat

Erdrutschsieg der US-Demokraten, schwerer Rückschlag für Donald Trump: Bei den Kongresswahlen hat die Opposition laut Prognosen von US-Medien sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat von der Republikanischen Partei des Präsidenten zurückerobert. Dabei konnten die Demokraten am Dienstag auch Mandate in zahlreichen bisherigen Hochburgen der Republikaner gewinnen. Trump erklärte in einer überraschenden Wendung, er werde das Ergebnis akzeptieren – vor der Wahl hatte er noch Betrugsvorwürfe erhoben.

Laut einer Schätzung des Senders NBC kommen die Demokraten im Repräsentantenhaus auf eine deutliche Mehrheit von mindestens 255 der insgesamt 435 Sitze. In Senat errang die Oppositionspartei laut CNN eine knappe Mehrheit von 51 der 100 Mandate, NBC ging von 52 Sitzen für die Demokraten in der Kammer aus. “Amerika ist zurück”, jubelte der Fraktionschef der Demokraten im Präsidentenhaus, Hakeem Jeffries.

Die Anhänger des Präsidenten seien “auf der Flucht”. Die Kontrolle der Demokraten über den Kongress engt Trumps Handlungsspielraum in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit stark ein. Die Demokraten können nun unter anderem Gesetzesprojekte der Regierung sowie die Ernennung von Bundesrichtern blockieren. Für Trump bedeutet der Triumph der Demokraten auch eine schwere persönliche Niederlage: Bis zuletzt hatte er die sogenannten Zwischenwahlen zu einer Abstimmung über sich selbst und seine Politik erklärt.

Auf die schwere Niederlage seiner Republikaner reagierte der Präsident dann trotzig: Hätte er selbst auf den Stimmzetteln gestanden, hätten seine Republikaner “erdrutschartig gewonnen”, schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social. Andererseits erklärte Trump aber auch, er sei “absolut bereit, diese Ergebnisse zu akzeptieren”. Und er sandte Signale der Kooperationsbereitschaft an die Opposition: “Wir werden mit den Demokraten zusammenarbeiten”, sagte Trump der “New York Times”.

Er “freue” sich sogar auf die Kooperation. Der Präsident lobt sogar seine politischen Rivalen für ihren Wahlkampf: “Ich finde, die Demokraten haben gute Arbeit geleistet. Wirklich.” Die Demokraten hätten “hart gekämpft”. In einem Interview des Sender Fox News räumte Trump auch ein, dass der von ihm Ende Februar begonnene Krieg gegen den Iran eine Rolle bei der Wahlpleite gespielt habe. “Ich denke, ein Teil davon war Iran, aber gleichzeitig haben die Menschen die Bedeutung dessen verstanden, was ich in Bezug auf Iran getan habe.”Zur Abstimmung gestanden hatten alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Sitze im Senat.

Insgesamt konnten die Demokraten in mindestens sieben Bundesstaaten den Republikanern Sitze im US-Senat entringen, darunter erstmals seit gut drei Jahrzehnten in Texas. Die Eroberung von bisherigen republikanischen Senatsmandaten gelang den Demokraten auch in Maine, North Carolina, South Carolina, in Ohio – und sogar in der Republikaner-Hochburg Kansas, wo die Partei seit 1932 keinen Senatsposten mehr innehatte.

Zu den größten Sensationen der Wahlnacht gehörte der Sieg des 37-jährigen Demokraten James Talarico im traditionell überaus konservativen Texas gegen den Trump-Verbündeten Ken Paxton im Rennen um einen Senatssitz. Kaum weniger spektakulär war der Sieg des protestantischen Predigers Adam Hamilton von den Demokraten bei der Wahl zum US-Senat in Kansas. In den dramatischen Stimmeineinbrüchen der Republikaner spiegelt sich die weitverbreitete Frustration in der US-Bevölkerung über Trumps Kurs wider.

Nicht zuletzt die infolge des Iran-Kriegs und seiner aggressiven Zollpolitik stark gestiegenen Sprit- und sonstigen Lebenshaltungskosten sorgen für großen Unmut. Trumps Beliebtheitswerte liegen im Keller. Aber auch das brutale Vorgehen der Einwanderungsbehörden gegen Migranten sowie Korruptionsvorwürfe gegen Trump und sein Umfeld waren wichtige Themen im Wahlkampf. Oppositionschef Jeffries sagte vor Anhängern: “Das amerikanische Volk hat gesprochen und deutlich gemacht, dass es genug vom Extremismus und genug von der Korruption hat.” Jeffries kündigte an, die Demokraten würden ihre künftige parlamentarische Macht dafür nutzen, “diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die diesem Land beispiellose Korruption zugefügt haben”.

Ihre künftige Kontrolle über den Kongress verleiht den Demokraten unter anderem die Macht, Untersuchungen gegen die Regierung einzuleiten und dafür Regierungsmitglieder vorzuladen. Jeffries selbst dürfte nun der neue Vorsitzende des Repräsentantenhauses werden und damit das dritthöchste Amt nach dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten einnehmen. Er ist dann der erste Afroamerikaner auf diesem Posten. Wie ernst es Trump mit seiner in der Wahlnacht gegenüber den Demokraten erklärten Kooperationsbereitschaft meint, wird sich ab Januar zeigen, wenn sich der neugewählte Kongress konstituiert.

Die Signale des Präsidenten waren schon in der Wahlnacht ambivalent. In einer Onlinebotschaft postete er auch ein Bild einer roten Baseballkappe mit der Aufschrift: “Veto”. Damit knüpfte Trump an seine Ankündigung aus dem Wahlkampf an, dass er Gesetzesvorhaben der Demokraten mit seinem Vetorecht blockieren werde. Auch bei den US-Gouverneurswahlen fuhren die Demokraten am Dienstag eine Reihe spektakulärer Siege ein: In Georgia eroberte die Demokratin Keisha Lance Bottoms den Gouverneursposten nach fast einem Vierteljahrhundert von den Republikanern zurück.

In Texas schaffte es die Anwältin Gina Hinojosa von den Demokraten, den republikanischen Gouverneur Greg Abbott aus dem Amt zu drängen.

Wed, 04 Nov 2026 06:55:24 GMT