Nach der Ankündigung eines Social-Media-Verbots für Kinder unter 16 Jahren plant die britische Regierung nun auch für ältere Jugendliche Einschränkungen. Für 16- und 17-Jährige solle der Zugang zu Plattformen wie Instagram und Tiktok zwischen Mitternacht und 06.00 Uhr gesperrt werden, kündigte die Regierung an. Außerdem ist eine Einschränkung des Endlos-Scrollens und anderer süchtig machender Einstellungen geplant, die Kritiker allerdings für wirkungslos halten.
Geplant sei, dass in den Standardeinstellungen suchterzeugende Funktionen wie das endlose Scrollen für ältere Jugendliche künftig deaktiviert sind. Die Nutzer können diese Funktionen aber wieder freischalten, so dass sich die Maßnahme als wirkungslos erweisen könnte. Auch die Nutzung von KI-Chatbots soll nach dem Willen der Regierung durch verpflichtende Pausen für unter 18-Jährige eingeschränkt werden.”Auch wenn junge Menschen mit 16 Jahren mehr Unabhängigkeit erlangen, sollten sie dennoch vor den am meisten süchtig machenden Online-Funktionen geschützt werden, die sich schädlich auf ihr Wohlbefinden auswirken können”, erklärte Technologieministerin Liz Kendall am Dienstag. “Diese Maßnahmen werden entscheidend dazu beitragen, dass junge Menschen den Schlaf bekommen, den sie brauchen, sich auf Schule und Studium konzentrieren und mehr wertvolle Zeit mit Familie und Freunden verbringen können.”Der scheidende Premierminister Keir Starmer hatte Mitte Juni ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren angekündigt.
Die für kommendes Frühjahr geplante Neuregelung soll demnach Plattformen wie Snapchat, Tiktok, Youtube, Instagram, Facebook und X umfassen, jedoch nicht den Messengerdienst Whatsapp. “Social Media machen Kinder unglücklich”, begründete Starmer das Vorhaben. Einige Kinderschutzorganisationen begrüßten das Vorhaben. Andere Organisationen warnten, die Altersgrenze könne bei jüngeren Nutzern dazu führen, dass sie auf noch weniger sichere Online-Angebote zurückgreifen. Australien hatte im Dezember als erstes Land der Welt ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren in Kraft gesetzt.
Es folgten inzwischen mehrere Länder, darunter Indonesien, Frankreich und Kanada, in denen ein solcher Schritt vollzogen beziehungsweise ein entsprechendes Gesetzgebungsverfahren angestoßen wurde. Auch in Deutschland wird über ein Social-Media-Verbot für Minderjährige diskutiert. Eine von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) eingesetzte Kommission riet in ihrer im Juni vorgestellten Stellungnahme von einem strengen pauschalen Verbot ab.
Stattdessen schlugen die Experten entweder eine Mindestaltersgrenze von 13 Jahren oder Beschränkungen für einzelne Social-Media-Angebote vor. Prien will bis zum Jahresende einen Gesetzentwurf erarbeiten. Ein europäisches Expertengremium riet am Dienstag zu einem Social-Media-Verbot in der EU für Kinder unter 13 Jahren. Darüber hinaus seien Beschränkungen für ältere Jugendliche denkbar, solange Onlinedienste sie nicht vor Suchtgefahren, Gewaltdarstellungen und Hassrede schützten, hieß es. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellte sich hinter die Vorschläge.
Sie will im September ankündigen, wie sie die Empfehlungen des Gremiums in EU-Gesetze umsetzen will. Die EU-Kommission muss dafür zunächst einen Gesetzesvorschlag machen, über den anschließend das Europaparlament und der Rat der 27 Mitgliedstaaten beraten müssen. Für die Durchsetzung eines Mindestalters bei Online-Netzwerken sind die EU-Mitgliedstaaten auf die EU-Kommission angewiesen. Sie überwacht die großen Onlinedienste wie Instagram, Tiktok und Snapchat und nur sie kann die Konzerne zu Änderungen zwingen und bei Verstößen Bußgelder verhängen.
Wed, 15 Jul 2026 10:33:06 GMT
