Merz verteidigt Kurs vor Kabinettsklausur: “Wir lassen uns nicht beirren”

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub Kritik an der Regierung zurückgewiesen und eine schnelle Umsetzung von Reformen und umfassende Entlastungen der Wirtschaft angekündigt. “Die Bundesregierung lässt sich nicht von ihrem Kurs abbringen, wir wissen, was richtig und gut ist für das Land. Da lassen wir uns nicht beirren”, sagte er der “Bild am Sonntag”. Es seien “historische Beschlüsse” gefasst worden, die schnellstmöglich umgesetzt werden müssten.Kommende Woche findet eine Kabinettsklausur der Bundesregierung auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg statt. Bei dem Treffen am Dienstag und Mittwoch wollen der Kanzler und seine Ministerinnen und Minister ihre Pläne für die kommenden Monate festzurren. Zuletzt hatte die Kritik an Merz und seiner Regierung teils deutlich zugenommen – aus Wirtschaft, Opposition und den eigenen Reihen.Die Bundesregierung sieht sich derzeit mit zahlreichen Reizthemen konfrontiert, die Wirtschaft steckt in einer tiefen Krise. Dazu kommt die Lage an der Umfragefront: Die AfD ist bundesweit aktuell weiter mit Abstand stärkste Kraft vor der Union. In einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Befragung des Instituts Forsa für die RTL und ntv lag sie bei 28 Prozent, während CDU und CSU auf 21 Prozent kamen. Im September finden darüber hinaus Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin statt. In Sachsen-Anhalt, wo die CDU derzeit regiert, und in Mecklenburg-Vorpommern führt die AfD in Umfragen teils deutlich. In Sachsen-Anhalt rechnet sie sich Chancen aus, künftig zum ersten Mal überhaupt in einem Bundesland zu regieren.Der Bereich Wirtschaftswachstum und Beschäftigung sei “das wichtigste Thema”, sagte Merz mit Blick auf die Kabinettsklausur in der “Bild am Sonntag”. In diesem Zusammenhang gelte “volle Konzentration darauf, die Augen auf dem Ball”, fügte der Kanzler hinzu.Bei den Gesetzgebungsverfahren für die vor der parlamentarischen Sommerpause beschlossenen Reformen forderte Merz Tempo. Es seien “historische Beschlüsse” gefasst worden, sagte er. “Jetzt müssen sie so schnell wie möglich umgesetzt werden. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das hinbekommen”, sagte Merz. Es gehe um eine “schnelle und umfassende Entlastung für die Wirtschaft, gerade auch für Handwerk und Mittelstand”. Er werde “das Team auf diese Aufgabe einschwören”.Bei der Kabinettsklausur in Neuhardenberg soll es unter anderem um die Sicherung von industrieller Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Arbeitsplätzen gehen. Daneben geht es um aktuelle Streitthemen wie dem Hitzeschutz, der für Irritationen innerhalb der Koalition sorgt. Die SPD-geführten Bundesministerien legten einen Aktionsplan vor, der die Aufnahme von Klimaschutz als sogenannte Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz vorsieht. Die Union kritisierte das als Aktionismus.Merz kündigte derweil am Samstag bei einem Besuch im Waldbrandgebiet im nordrhein-westfälischen Hürtgenwald an, die Regierung werde “alles tun, um den Klimawandel zurückzudrängen”. Deutschland müsse wegen des Klimawandels mit einer steigenden Zahl von Großschadenslagen rechnen, sagte er dort. Die Regierung werde bei ihre Klausur deshalb auch darüber reden, wie sich Deutschland “noch besser” auf Ereignisse wie schwere Waldbrände vorbereiten könne.Das tagelange Feuer in Hürtgenwald war der bislang größte Waldbrand des Sommers in Deutschland, es brannte tagelang. Die Flammen lösten zwischenzeitlich auch die Evakuierung von rund 1800 Anwohnern aus. In den vergangenen Wochen war Merz auch trotz Dürre mit Niedrigwasser in wichtigen Flüssen sowie einem Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig nicht öffentlich aufgetreten. Die in Medien laut gewordene Kritik, Merz mache zu lange Urlaub, wies Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille diese Woche zurück. “Ein Bundeskanzler ist nie im Urlaub”, sagte der Sprecher. Merz stehe regelmäßig mit Kabinettsmitgliedern sowie anderen Staats- und Regierungschefs in Kontakt.

Konzernchef Blume nennt Lage bei VW “mehr als kritisch”

Bei Volkswagen soll sich der Vorstand kommende Woche auf mehreren Betriebsversammlungen zu seinen Sparplänen äußern – Konzernchef Oliver Blume nannte die Lage bei Europas größtem Autohersteller vorab “mehr als kritisch”. Der Konzern sei “überdimensioniert”, sagte Blume in einem internen Interview. Eine konkrete Entscheidung zu Werksschließungen sei aber noch nicht getroffen. Ein Abbau von rund 50.000 Stellen weltweit bis 2030 sei “keine fixe Zielgröße”.Die Betriebsversammlungen sind an verschiedenen VW-Standorten angesetzt. Am Dienstag in Wolfsburg sowie am Mittwoch in Emden und Zwickau steht Konzernchef Blume Rede und Antwort. VW hat in Deutschland laut Blume mehr als 275.000 Beschäftigte, weltweit über 600.000.In dem Interview im VW-Intranet bekräftigte Blume, es gebe keine VW-Krise, sondern eine Krise der gesamten Automobilbranche. “Alle kämpfen.” Die Branche stecke “im größten Umbruch in der Geschichte”. Im Wettbewerbsvergleich schlage VW sich “ordentlich”. Die absoluten Zahlen allerdings seien “insgesamt zu schwach”. “Wir können uns nicht damit zufriedengeben, seit zehn Quartalen weniger zu verdienen als im Jahr zuvor.” Es fehlten die Mittel für “neue Technologien, neue Produkte und unsere Standorte”.Der sogenannte Zukunftsplan für Einsparungen sei “in vollem Lauf”, sagte Blume weiter. Viele Maßnahmen seien angestoßen, wesentliche Teile würden bereits umgesetzt, “ohne die Zustimmung übergeordneter Gremien einholen zu müssen”. Der Konzernchef hatte seine Sparpläne im Juli im Aufsichtsrat vorgestellt; eine Entscheidung wurde aber nicht getroffen. Medienberichten zufolge wollte das Land Niedersachsen – mit 20 Prozent der Stimmrechte Großaktionär – nicht zustimmen. Der Betriebsrat kritisierte anschließend, es sei “unverantwortlich, die Belegschaft im Unklaren zu lassen” und kündigte die Betriebsversammlungen nach der Sommerpause an. Auch in dem aktuellen internen Interview nannte Blume keine konkreten Zahlen. Es gehe vor allem darum, “einfacher” zu werden, sagte er: “Über Jahre haben wir Strukturen, Kapazitäten und Personal aufgebaut. Wir sind überdimensioniert. Das macht uns oft zu langsam und zu kompliziert.” Die Zahl von 50.000 abzubauenden Stellen weltweit sei “keine fixe Zielgröße”, sie errechne sich “aus unserem Kostenziel im Vergleich zum Wettbewerb und gibt eine Orientierung, wie groß unser Handlungsbedarf ist”, erklärte der Manager. Er wiederholte: Für die Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm “können wir heute keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre darstellen”. Zusätzlich müsse VW in Europa Überkapazitäten von mehr als 500.000 Fahrzeugen pro Jahr abbauen. Eine Entscheidung über konkrete Werksschließungen sei aber nicht getroffen. Werksschließungen seien “immer die teuerste und letzte Lösung”, sagte der Manager. Wo die Fahrzeugproduktion aber keine Zukunft habe, wolle VW “neue industrielle Lösungen entwickeln” – für das Werk Osnabrück etwa führe VW fortgeschrittene Gespräche mit Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie. Blume forderte vom Aufsichtsrat “ein eindeutiges Mandat”, dem Vorstand “Vertrauen, Verantwortung und uneingeschränkte Handlungsfähigkeit zu geben und den eingeschlagenen Weg konzernweit mitzutragen”. Die Belegschaft rief Blume zum Zusammenhalt auf: “Erfolg werden wir nur haben, wenn alle im Unternehmen diesen Plan gemeinsam tragen.”IG-Metall-Chefin Christiane Benner hatte der “Wirtschaftswoche” kürzlich gesagt, die neuen Sparpläne hätten die Vertrauenskultur bei Volkswagen zerstört. “Die Belegschaft musste bereits heftige und schmerzhafte Einschnitte hinnehmen und kriegt direkt die nächste Ohrfeige.”

Merz nennt vor Kabinettsklausur Wachstum und Beschäftigung “das wichtigste Thema”

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat vor der Kabinettsklausur in der kommenden Woche den Bereich Wirtschaftswachstum und Beschäftigung als “das wichtigste Thema” bezeichnet. “Also volle Konzentration darauf, die Augen auf dem Ball”, sagte der Kanzler der “Bild am Sonntag”. Bei den Gesetzgebungsverfahren für die vor der Sommerpause beschlossenen Reformen forderte Merz Tempo. Es seien “historische Beschlüsse” gefasst worden, sagte er. “Jetzt müssen sie so schnell wie möglich umgesetzt werden. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das hinbekommen”, sagte Merz. Es gehe um eine “schnelle und umfassende Entlastung für die Wirtschaft, gerade auch für Handwerk und Mittelstand”, sagte der Kanzler. “Deswegen reden wir darüber in der Kabinettsklausur. Ich werde das Team auf diese Aufgabe einschwören.”Mit Blick auf die teils deutliche Kritik aus Wirtschaft, Opposition und auch den eigenen Reihen sagte der Kanzler der “Bild am Sonntag”: “Die Bundesregierung lässt sich nicht von ihrem Kurs abbringen, wir wissen, was richtig und gut ist für das Land. Da lassen wir uns nicht beirren.”Die Kabinettsklausur findet am Dienstag und Mittwoch auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg statt. Bei dem Treffen will die Bundesregierung ihre Pläne für die kommenden Monate festzurren.

VW-Chef ruft Mitarbeiter wegen Konzern-Krise zum Zusammenhalt auf

Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume hat die Belegschaft angesichts der Branchenkrise und der bei VW geplanten tiefgreifenden Einschnitte zu vollkommenem Zusammenhalt aufgerufen. “Auf die nächsten Wochen kommt es an: Alle müssen mitziehen”, sagte Blume der “Bild am Sonntag”. “Wir haben den größten Transformationsplan in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns aufgesetzt.” Kommende Woche findet eine Reihe von außerordentlichen Betriebsversammlungen statt. Am Dienstag in Wolfsburg sowie am Mittwoch in Emden und Zwickau will Blume persönlich daran teilnehmen.”Die nächsten Jahre sind entscheidend, wer im Rennen bleibt und wer an die Spitze fährt”, betonte Blume in der “BamS”. Die Ursachen für den enormen Spardruck sieht er in einem fundamentalen Marktwandel und globalen Verwerfungen. “Die weltweite Autoindustrie ist in einer Mega-Krise. Und der Volkswagen Konzern ist mittendrin”, sagte er. “Geopolitik, Handelsbarrieren, Regulatorik, schwache Märkte und massiver Wettbewerb” seien eine Herausforderung für “alle”. Die Arbeitnehmerseite hatte vor den Werksferien Details zu den Sparplänen und Entlassungen verlangt. Nach tagelangen Berichten über mögliche Stellenstreichungen hatte Blume Mitte Juli in einem im Intranet des Konzerns veröffentlichten Interview von weltweit etwa 50.000 abzubauenden Stellen gesprochen, um die Gemeinkosten auf ein “wettbewerbsfähiges Niveau” zu bringen. Die VW-Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm stehen auf der Kippe.

Hyundai-Beschäftigte in Südkorea streiken für Anhebung des Rentenalters

Beim südkoreanischen Autobauer Hyundai haben Beschäftigte erstmals seit mehr als zehn Jahren einen ganzen Tag lang die Arbeit niedergelegt. Nach Gewerkschaftsangaben nahmen rund 40.000 Beschäftigte an dem Streik am Freitag teil. Sie forderten eine Erhöhung der Leistungsprämien um 50 Prozent sowie eine Anhebung des Rentenalters um zwei Jahre. Die Beschäftigten fürchten, in großem Stil durch Roboter ersetzt zu werden.Der Streik begann nach Angaben der Gewerkschaft um 6.45 Uhr mit der Morgenschicht. Auch die Nachmittagsschicht ab 15.30 Uhr war zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Die Gewerkschaft erwartet, dass die Produktion wegen des Streiks zum Erliegen kommt. Hyundai teilte mit, sie könne die Forderungen nicht akzeptieren.Die Verhandlungen dauern bereits seit Mai an. Die Beschäftigten hatten bereits an drei Tagen im Juli für jeweils vier Stunden die Arbeit niedergelegt. Hyundai hat bereits angekündigt, ab 2028 in seinen US-Werken humanoide Roboter einzusetzen. Solche Pläne für die Fabriken in Südkorea gibt es offiziell bislang nicht; Experten schätzen, dass das aber nur eine Frage der Zeit ist. Die Gewerkschaft erklärte am Freitag, ihre Forderungen seien angesichts der Gewinne von Hyundai nicht überzogen. Der Autobauer hatte im zweiten Quartal einen Rekordumsatz von fast 50 Billionen Won (rund 30 Milliarden Euro) gemacht, der Betriebsgewinn war aber im Vorjahresvergleich um 21 Prozent gefallen.

DGB-Ausbildungsreport: Neues Tief bei Zufriedenheit von Azubis

Neues Tief bei der Zufriedenheit der Auszubildenden in Deutschland: Zwar sind dem am Donnerstag vorgestellten Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zufolge mit 65,7 Prozent rund zwei Drittel der befragten Auszubildenden zufrieden mit ihrer Ausbildung. Das sei allerdings ein Rückgang um fast sechs Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr und der niedrigste Stand seit Beginn der Erhebungen. Die Hälfte der Azubis gibt zudem an, psychisch belastet zu sein.Die Ausbildungszufriedenheit ging im Vergleich zum Vorjahr um 5,9 Prozent zurück und sank damit auf ein neues Tief. “Dieses Signal müssen wir ernst nehmen”, sagte DGB-Bundesjugendsekretärin Nina Krüger bei der Vorstellung des Ausbildungsreports.Bei der Zufriedenheit der Azubis mit ihrer Ausbildung gibt es große Unterschiede. Besonders zufrieden sind dem Report zufolge Verwaltungsfachangestellte: Mehr als 80 Prozent sind mit ihrer Ausbildung (sehr) zufrieden. Bei angehenden Hotelfachleuten sind nur knapp 54 Prozent zufrieden. Auch bei angehenden Friseuren, Zahnmedizinischen Fachangestellten und Köchen sind die Zustimmungswerte niedrig.Insgesamt zeigen sich im Ausbildungsalltag laut DGB weiterhin klare Handlungsbedarfe. Mehr als ein Drittel der Auszubildenden leistet demnach regelmäßig Überstunden. 16,3 Prozent müssten häufig Tätigkeiten erledigen, die nicht Bestandteil ihrer Ausbildung sind und nicht dem Lernerfolg dienen. Es handele sich dabei um einen neuen Höchststand.Der DGB ruft außerdem dazu auf, mehr bezahlbaren Wohnraum für Azubis zu schaffen. “Noch immer gibt es erheblich weniger Wohnangebote für Auszubildende als für Studierende – obwohl sie auf dem angespannten Wohnungsmarkt vor vergleichbaren Problemen stehen”, sagte Krüger. “Bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende muss ein festes politisches Ziel der Bundesregierung und der Länder sein, der Kommunen ebenfalls.”Der DGB fordert zudem mehr Verlässlichkeit auch für die Zeit nach der Ausbildung. Mehr als ein Drittel der Auszubildenden im letzten Ausbildungsjahr wisse kurz vor dem Abschluss noch nicht, ob der Betrieb sie übernimmt. Ob junge Menschen eine Chance auf Übernahme haben, hänge dabei stark von Branche und Betrieb ab.Schwerpunkt des DGB-Ausbildungsreports war in diesem Jahr die mentale Gesundheit. Mit 50,6 Prozent gab die Hälfte der Befragten an, psychische Belastungen zu erleben. Mentale Gesundheit hänge dabei eng mit der Qualität der Ausbildung zusammen, erklärte der Gewerkschaftsbund.DGB-Bundesjugendsekretärin Krüger sprach angesichts der psychischen Belastung von einem “deutlichen Warnsignal”. Sind Ausbilder immer verfügbar, fühlen sich der Umfrage zufolge nur 8,5 Prozent der Auszubildenden hoch belastet. Sind sie selten oder nie erreichbar, sind es 36 Prozent. “Das zeigt: Gute fachliche Anleitung ist der Kern guter Ausbildung und dafür sollte auch mehr Personal von Arbeitgebern bereitgestellt werden”, sagte Krüger.Der DGB fordert “verbindliche Fort- und Weiterbildungen für mentale Gesundheit, für das Ausbildungspersonal und Berufsschullehrkräfte”. Wer junge Menschen ausbildet oder unterrichtet, müsse Belastungen erkennen und wissen, wie Unterstützung möglich ist.Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) betonte, Ausbildungsbetriebe würden ihre Azubis “mit einer persönlichen Betreuung, festen Ansprechpartnern, einer wertschätzenden Unternehmenskultur und auch mit Angeboten zur Gesundheitsförderung” unterstützen. Die Betriebe dürften mit den Herausforderungen aber nicht allein gelassen werden. “Psychische Gesundheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Neben den Unternehmen sind insbesondere Schulen, Elternhäuser, Beratungsstellen und die Politik gefordert”, erklärte der DIHK-Bildungsexperte Nico Schönefeldt.Der Zentralverband des Deutschen Handwerks erklärte, Handwerksbetriebe übernähmen bereits viel Verantwortung und unterstützten junge Menschen “vielfach weit über die eigentliche Ausbildung hinaus”. Verbands-Generalsekretär Holger Schwannecke verwies darauf, dass Schulabgänger zunehmend “mit erheblichen Lücken bei Grundkompetenzen und Sprachkenntnissen in die Ausbildung” kämen.Für den diesjährigen Ausbildungsreport wurden dem DGB zufolge über zwölf Monate bis Mai 2026 insgesamt 13.227 Auszubildende aus den 25 am stärksten besetzten dualen Ausbildungsberufen befragt.

DGB-Ausbildungsreport: Zufriedenheit unter Azubis erreicht neuen Tiefpunkt

Die Zufriedenheit der Auszubildenden in Deutschland hat einen neuen Tiefstand erreicht: Zwar sind dem am Donnerstag vorgestellten Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zufolge mit 65,7 Prozent rund zwei Drittel der befragten Auszubildenden zufrieden mit ihrer Ausbildung. Das sei allerdings ein Rückgang um fast sechs Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr und der niedrigste Stand seit Beginn der Erhebungen. Die Hälfte der Azubis gibt zudem an, psychisch belastet zu sein.Die Ausbildungszufriedenheit ging im Vergleich zum Vorjahr um 5,9 Prozent zurück und sank damit auf ein neues Tief. “Dieses Signal müssen wir ernst nehmen”, sagte DGB-Bundesjugendsekretärin Nina Krüger bei der Vorstellung des Ausbildungsreports.Bei der Zufriedenheit der Azubis mit ihrer Ausbildung gibt es große Unterschiede. Besonders zufrieden sind dem Report zufolge Verwaltungsfachangestellte: Mehr als 80 Prozent sind mit ihrer Ausbildung (sehr) zufrieden. Bei angehenden Hotelfachleuten sind nur knapp 54 Prozent zufrieden. Auch bei angehenden Friseuren, Zahnmedizinischen Fachangestellten und Köchen sind die Zustimmungswerte niedrig.Insgesamt zeigen sich im Ausbildungsalltag laut DGB weiterhin klare Handlungsbedarfe. Mehr als ein Drittel der Auszubildenden leistet demnach regelmäßig Überstunden. 16,3 Prozent müssten häufig Tätigkeiten erledigen, die nicht Bestandteil ihrer Ausbildung sind und nicht dem Lernerfolg dienen. Es handele sich dabei um einen neuen Höchststand.Der DGB ruft außerdem dazu auf, mehr bezahlbaren Wohnraum für Azubis zu schaffen. “Noch immer gibt es erheblich weniger Wohnangebote für Auszubildende als für Studierende – obwohl sie auf dem angespannten Wohnungsmarkt vor vergleichbaren Problemen stehen”, sagte Krüger. “Bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende muss ein festes politisches Ziel der Bundesregierung und der Länder sein, der Kommunen ebenfalls.”Der DGB fordert zudem mehr Verlässlichkeit auch für die Zeit nach der Ausbildung. Mehr als ein Drittel der Auszubildenden im letzten Ausbildungsjahr wisse kurz vor dem Abschluss noch nicht, ob der Betrieb sie übernimmt. Ob junge Menschen eine Chance auf Übernahme haben, hänge dabei stark von Branche und Betrieb ab.Schwerpunkt des DGB-Ausbildungsreports war in diesem Jahr die mentale Gesundheit. Mit 50,6 Prozent gab die Hälfte der Befragten an, psychische Belastungen zu erleben. Mentale Gesundheit hänge dabei eng mit der Qualität der Ausbildung zusammen, erklärte der Gewerkschaftsbund.DGB-Bundesjugendsekretärin Krüger sprach angesichts der psychischen Belastung von einem “deutlichen Warnsignal”. Sind Ausbilder immer verfügbar, fühlen sich der Umfrage zufolge nur 8,5 Prozent der Auszubildenden hoch belastet. Sind sie selten oder nie erreichbar, sind es 36 Prozent. “Das zeigt: Gute fachliche Anleitung ist der Kern guter Ausbildung und dafür sollte auch mehr Personal von Arbeitgebern bereitgestellt werden”, sagte Krüger.Der DGB fordert “verbindliche Fort- und Weiterbildungen für mentale Gesundheit, für das Ausbildungspersonal und Berufsschullehrkräfte”. Wer junge Menschen ausbildet oder unterrichtet, müsse Belastungen erkennen und wissen, wie Unterstützung möglich ist.Für den diesjährigen Ausbildungsreport wurden dem DGB zufolge über zwölf Monate bis Mai 2026 insgesamt 13.227 Auszubildende aus den 25 am stärksten besetzten dualen Ausbildungsberufen befragt.

Jeder Zehnte der 20- bis 24-Jährigen ohne Job und ohne Ausbildung

In Deutschland sind zehn Prozent der 20- bis 24-Jährigen im vergangenen Jahr nicht in einer Ausbildung oder Beschäftigung gewesen – im EU-Vergleich ist das eine niedrige Quote, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag mitteilte. Allerdings ist der Anteil in den vergangenen Jahren leicht gestiegen: Im Jahr 2022 etwa waren noch 8,8 Prozent der 20- bis 24-Jährigen nicht in einer Ausbildung oder im Job.”Das deutsche Ausbildungssystem, insbesondere das duale System, ist international dafür geschätzt, dass es sichere Übergänge zwischen Ausbildung und Arbeitsmarkt schafft”, erklärte die wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, Bettina Kohlrausch. “Die Tatsache, dass die Zahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die weder in Ausbildung noch in Arbeit sind, unter dem EU-Durchschnitt liegt, reflektiert diese Stärke.” Laut Statistik lag der EU-Durchschnitt im vergangenen Jahr bei 13,9 Prozent. Am niedrigsten war der Anteil demnach in den Niederlanden mit 5,6 Prozent, Schweden mit 7,3 Prozent und Tschechien mit 7,6 Prozent. Am höchsten war er in Rumänien mit  22,8 Prozent, Bulgarien mit 17,3 Prozent und in Frankreich mit 16,2 Prozent.WSI-Direktorin Kohlrausch nannte es aber “besorgniserregend”, dass die Zahl in Deutschland im Vergleich zum Jahr 2022 gestiegen ist. “Dies zeigt, dass sich die Ausbildungsplatzsituation für Jugendliche und junge Erwachsene verschlechtert hat.” Einem wachsenden Teil der Jugendlichen gelinge der Übergang von Schule in Ausbildung und von Ausbildung in Arbeit nicht mehr. Das Statistikamt liefert unter Berufung auf den nationalen Bildungsbericht von 2024 verschiedene mögliche Gründe: 20 Prozent der 20- bis 24-jährigen Nichterwerbspersonen nannten demnach Betreuungsgründe, 18 Prozent gesundheitliche Einschränkungen und 17 Prozent bildungsbezogene Gründe – etwa dass sie auf einen Studien- oder Ausbildungsplatz warteten. Sechs Prozent standen kurz vor einer Ausbildung oder einem neuen Job. 25 Prozent sagten, sie suchten aktuell einen Job.Kohlrausch forderte “dringend mehr gute Ausbildungsangebote und Unterstützung für Jugendliche und junge Erwachsene, damit sie den Weg in die Ausbildung und dann in den Arbeitsmarkt erfolgreich meistern können”. Ein wichtiger Schritt sei “eine echte Ausbildungsgarantie”, die allen Jugendlichen ein Recht auf einen Ausbildungsplatz garantiere. Dafür müssten die bestehenden Regelungen allerdings ausgebaut und weiterentwickelt werden.

Billigairline Easyjet streicht wegen Streiks in Frankreich rund 100 Flüge

Aufgrund eines Streiks des Kabinenpersonals hat die britische Billigfluggesellschaft Easyjet für Samstag und Sonntag rund 100 Flüge von und nach Frankreich gestrichen. Die Passagiere seien informiert worden und könnten kostenlos auf andere Flüge umbuchen, teilte die Fluggesellschaft mit. Nach Zählungen der Gewerkschaften sind etwa die Hälfte der geplante Flüge der beiden Pariser Flughäfen sowie aus Nizza, Bordeaux und Lyon betroffen.Easyjet habe für das Wochenende mindestens 98 Flüge gestrichen, davon 47 am Samstag und 51 am Sonntag, teilte William Bourdon von der Gewerkschaft SNPNC-FO der Nachrichtenagentur AFP mit. Darunter sind vor allem innerfranzösische Strecken sowie Flüge in Urlaubsregionen in Portugal, Italien und Nordafrika.Bourdon zufolge wollten 68 Prozent der rund 340 Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter streiken, die an diesem Wochenende auf Flügen von und nach Frankreich arbeiten sollten. Auslöser des Streiks des Kabinenpersonals ist Unmut über die wiederholte Änderungen von Dienstplänen.Bourdon erklärte, das Kabinenpersonal wünsche sich “Stabilität” bei seinen Einsätzen. Einige Crewmitglieder müssten mit 50 bis 60 Änderungen ihrer Arbeitszeiten und Flugziele pro Woche rechnen. Das Privatleben sei so “extrem kompliziert zu organisieren”, sagte Bourdon der Nachrichtenagentur AFP. Die meisten Änderungen erfolgten nur ein bis zwei Tage vorher.Die drei an den Gesprächen beteiligten Gewerkschaften hatten vor Streiks zwischen dem 7. August und dem 2. September gewarnt. Easyjet bezeichnete den Streik als “opportunistisch”, da er auf ein großes Feiertagswochenende falle, an dem die Flughäfen stark ausgelastet sind. Das Unternehmen forderte das Personal auf, den Streik an einem so arbeitsreichen Wochenende abzusagen. Easyjet habe Vorschläge zur Änderung der Arbeitsbedingungen unterbreitet und Gespräche seien für September geplant.