Merz und Wildberger setzen auf KI-Entwicklung in Deutschland und mit Partnern

Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (beide CDU) setzen auf die Entwicklung Künstlicher Intelligenz in Deutschland und mit engen Partnern. Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen sei digitale Souveränität eine existenzielle Frage und gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagte Merz beim diesjährigen Digitalgipfel in Berlin. Wildberger warnte, dass Deutschland bei dem wichtigen Thema den Anschluss nicht verpassen dürfe.

Merz sprach sich für eine Technologie-Politik “im Einklang mit unseren Werten und Sicherheitsinteressen” aus. Deutschland müsse den Aus- und Aufbau seiner eigenen digitalen Fähigkeiten “energisch” und “strategisch vorantreiben”. Es gehe darum, “Technologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Hardware bis zur Software, unabhängig, sicher und selbstbestimmt produzieren und auch steuern zu können”.

Wildberger hob hervor, dass er das Risiko einer zu langsamen eigenen KI-Entwicklung für schwerwiegender hält, als die Risiken der Technologie selbst. “Ich nehme die Risiken der KI ernst, bin mir aber sicher: Wenn wir nicht ehrgeizig genug sind, zu langsam vorgehen und keine Entscheidungen treffen, werden wir mit noch größeren Risiken konfrontiert sein, noch abhängiger werden und Wachstumschancen verpassen”, sagte er.”Wir sind immer noch zu langsam”, beklagte der Digitalminister. “Wir unterschätzen, was auf uns zukommt.

Wir müssen handeln, solange wir noch die Macht haben, zu entscheiden.” Deutschland und Europa bräuchten eigene erfolgreiche KI-Unternehmen und eigene Technologien. Als wichtigen außereuropäischen Partner nannten Digitalminister und Kanzler Kanada. Beim Aufbau von digitaler Souveränität in einer global vernetzten Welt müsse “zwingend” die technologische Zusammenarbeit mit “Like-Minded-Partnern weltweit” ausgebaut werden, betonte Merz.

Aus der Wirtschaft erhält der Ansatz der Bundesregierung viel Zuspruch. Eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergab, dass fast alle Unternehmen in Deutschland sich KI-Anwendungen heimischer Anbieter wünschen. “Allerdings sind mit 64 Prozent fast zwei Drittel nicht bereit, dafür Abstriche in Kauf zu nehmen, wie etwa einen höheren Preis oder geringeren Funktionsumfang”, erklärte der Verband.”Es gibt eine breite Nachfrage nach souveräner KI, aber entsprechende Angebote müssen unabhängig vom Standort des Anbieters im Wettbewerb bestehen”, erklärte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.

Der Verband der Internetwirtschaft Eco forderte “innovationsfreundliche Regulierung und bessere Investitionsbedingungen””Deutschland hat gerade bei industrieller KI große Potenziale”, erklärte Eco-Chef Alexander Rabe. “Schon jetzt werden mehr als 120 Milliarden Euro Umsatz durch KI gemacht. Damit diese Wertschöpfung weiter steigt und neue Geschäftsmodelle entstehen, brauchen Unternehmen aber nicht nur Zugang zu leistungsfähigen Technologien, sondern auch Rechtssicherheit, weniger Bürokratie und eine leistungsfähige digitale Infrastruktur.””Ein leistungsfähiges europäisches KI-Ökosystem ist mitentscheidend für die digitale Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie”, erklärte auch Alexander Jakschik vom Maschinenbau-Verband VDMA. “Dafür braucht es einen harmonisierten digitalen EU-Binnenmarkt und einen verlässlichen Rechtsrahmen, der Unternehmen den Handlungsraum lässt, neue Geschäftsfelder zügig zu erschließen und zu entwickeln.”Auch die Umweltorganisation Greenpeace sieht den Aufbau heimischer KI-Infrastruktur grundsätzlich positiv.

Doch die KI müsse “in erster Linie den Menschen in Deutschland und Europa dienen, nicht den Geschäftsinteressen milliardenschwerer Tech-Bros aus den USA, die auch hierzulande den Ausbau der KI-Infrastruktur dominieren”, erklärte Matthias Lambrecht von Greenpeace. Kritisch sehen die Umweltschützer insbesondere den hohen Ressourcenverbrauch von Rechenzentren. “Die Bundesregierung steht in der Pflicht, den massiven Wasser- und Energieverbrauch der geplanten Rechenzentren transparent zu machen”, forderte Lambrecht. “Geltende Regeln für einen effizienten Betrieb von Rechenzentren und den Vorrang für die Nutzung erneuerbarer Energien dürfen nicht aufgeweicht werden.”

Mon, 02 Nov 2026 15:23:50 GMT