Nach der herben Niederlage seiner Republikaner bei den US-Kongresswahlen zieht US-Präsident Donald Trump erste personelle Konsequenzen: Seine Stabschefin Susie Wiles wird durch ihren bisheringen Stellvertreter ersetzt, den rechten Hardliner Stephen Miller. Trump dankte der 69-Jährigen am Freitag in seinem Onlinedienst Truth Social für ihre “großartige Arbeit” und kündigte an, Miller werde am Montag ihre Nachfolge antreten.
Der 41-Jährige ist in Washington als “Trumps Gehirn” und Vordenker von dessen harter Abschiebepolitik bekannt. Er habe eine “Veränderung” vornehmen wollen, begründete Trump seinen Schritt vor Journalisten im Weißen Haus. “Manchmal im Leben muss man Schritte unternehmen”, fügte er hinzu. Vor den Kongresswahlen hatte der US-Präsident noch mehrfach betont, es sei vollkommen ausgeschlossen, Wiles auszutauschen.
Trump pries Wiles’ Nachfolger Miller als einen seiner “vertrauenswürdigsten Berater”. “Er ist ein großartiger Kämpfer”, sagte der US-Präsident am Flughafen von West Palm Beach im US-Bundesstaat Florida, wo Miller ihn begleitete. “Er war von Anfang an bei mir, und er ist sehr loyal.”Miller arbeitet seit Trumps erstem Präsidentschaftswahlkampf 2016 für den Republikaner.
Er schrieb Trumps Reden und beriet ihn vor allem in der Einwanderungspolitik. Der 41-Jährige steht hinter den harten Abschieberazzien der Einwanderungsbehörde ICE, an deren Rande zu Beginn des Jahres zwei US-Bürger getötet wurden. Mit Millers Ernennung geht Trump auf Konfrontationskurs zu den bei den Kongresswahlen siegreichen Demokraten. Die Demokraten-Anführer im Kongress kritisierten Trumps Personalentscheidung am Freitag scharf und kündigten eine harte Gangart gegen Miller an.
Der Fraktionschef der Demokraten im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, nannte den neuen Stabschef “einen gefährlichen Fremdenhasser und rücksichtslosen Extremisten, der amerikanisches Blut an den Händen hat”. Der Top-Demokrat im Senat, Chuck Schumer, bezeichnete Miller als “Architekten der barbarischsten, unmenschlichsten Maßnahmen dieser Regierung”. Die Demokraten würden sich ihm “auf jedem Schritt des Weges entgegenstellen”.
Miller stammt aus einer liberalen jüdischen Familie im kalifornischen Santa Monica. Als Schüler und im Politik-Studium an der private Duke University in North Carolina wurde er zum harten Einwanderungs-Kritiker und vertrat zunehmend identitäre Ansichten. Am Freitagabend trat Miller in Trumps Privatanwesen Mar-a-Lago i Florida vor eine Menge treuer Parteianhänger, um Trump mit Lob zu überschütten und ihm seine unerschütterliche Treue zu geloben. “Es ist die Ehre meines Lebens, Präsident Trumps Stabschef zu sein”, sagte Miller in einem von Trump in seinem Onlinedienst Truth Social veröffentlichten Video.
Millers Vorgängerin Wiles war maßgeblich für die Strategie der Trump-Regierung bei den Kongresswahlen verantwortlich. Auf ihre Initiative hin absolvierte der 80-jährige Präsident im Monat vor der Wahl einen Marathon von 30 Wahlkampfauftritten in 20 Bundesstaaten. Dies zahlte sich jedoch nicht aus. Einige republikanische Kandidaten distanzierten sich von dem bei den Wählern unbeliebten Präsidenten. Nach Angaben eines Mitarbeiters im Weißen Haus verkündete Wiles bereits am Donnerstag ihren Rücktritt.
Sie soll dem Präsidenten zufolge nun “in die politische Trump-Organisation wechseln”. Wiles dankte Trump für sein Vertrauen und erklärte, die Arbeit für ihn und seine “Amerika-zuerst”-Politik (America first) sei “die Ehre meines Lebens”. Vor knapp einem Jahr hatte ein Artikel der Zeitschrift “Vanity Fair” für Wirbel gesorgt, in dem die Stabschefin Trump “die Persönlichkeit eines Alkoholikers” bescheinigte, obwohl er nicht trinkt.
Trump nahm ihr dies nach eigenen Worten jedoch nicht übel. Über eine Ablösung von Wiles war wegen Trumps schlechter Umfragewerte bereits seit Wochen spekuliert worden. US-Medien rechnen daneben auch mit der Entlassung des umstrittenen Verteidigungsministers Pete Hegseth. Trump bestritt nach der Wahl aber solche Pläne. In am Freitag veröffentlichten Auszügen aus einem Interview mit dem Sender CBS News sagte er lediglich, er werde in seiner Regierung “vielleicht ein paar Änderungen” vornehmen: “Ich will noch nicht sagen, wer” gehen müsse.
Unterdessen gab Justizminister Todd Blanche nach der Wahl eine Reihe von Rücktritten in seinem Ministerium bekannt. Unter anderem geht mit Harmeet Dhillon seine für Bürgerrechte zuständige Stellvertreterin. Dhillon war vor den Wahlen mit dem Versuch gescheitert, Wählerlisten von rund 30 Bundesstaaten zu erhalten, denen die Trump-Regierung vorwarf, widerrechtlich Migranten als Wähler zu führen.
Um Entlassung bat demnach auch Jason Reding Quinones. Der bisherige Bundesanwalt in Florida sollte belastendes Material gegen Trumps Vorgänger aufspüren, die Demokraten Joe Biden und Barack Obama.
Sat, 07 Nov 2026 06:19:26 GMT
