US-Notenbankchef Powell schließt Leitzinssenkung nicht aus

US-Notenbankchef Jerome Powell hat beim diesjährigen Zentralbanksymposium die von US-Präsident Donald Trump seit langem geforderte Leitzinssenkung nicht ausgeschlossen. Eine rasche Verschlechterung des US-Arbeitsmarktes sei nicht auszuschließen und könne daher eine Lockerung der Geldpolitik rechtfertigen, sagte der Chef der Federal Reserve (Fed) am Freitag in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming. Die “grundlegenden Aussichten und die sich verändernde Risikobilanz” könnten “eine Anpassung unseres geldpolitischen Kurses erforderlich machen”, sagte Powell.

Powell fügte hinzu, dass sich die Zentralbank in einer heiklen Lage befinde, da sich die von der US-Regierung eingeführten neuen Zölle zugleich auf die Verbraucherpreise auswirkten und damit die Gefahr einer erneuten Inflation bestehe. Die Auswirkungen der Zölle auf die Verbraucherpreise seien nun “deutlich sichtbar”, sagte der Fed-Chef. Es gebe eine hohe Unsicherheit hinsichtlich des Zeitpunkts und der Auswirkungen der Zölle. An der New Yorker Wall Street wurden Powells Äußerungen positiv aufgenommen.

Der Dow Jones und der Tech-Index Nasdaq legten nach der Rede um rund 1,8 Prozent zu. Hingegen gaben die Renditen für US-Staatsanleihen deutlich nach. Es war Powells letzte Rede als Fed-Chef beim Zentralbanksymposium Jackson Hole, da seine Amtszeit im kommenden Mai endet. Seit Trumps Amtsantritt hat die US-Notenbank den Leitzins in der Spanne zwischen 4,25 und 4,5 Prozent belassen. Sie begründet dies mit den “Unsicherheiten” durch die Zollpolitik des Präsidenten. Trump hatte Powell deshalb unter anderem als “Schwachkopf” und “Verlierer” beschimpft und ihm mit Entlassung gedroht.

Der Republikaner begründet seine Forderung unter anderem mit günstigeren Immobilienkrediten für US-Bürger. Ein niedrigerer Leitzins würde aber zugleich die Zinslast auf die überbordenden US-Staatsschulden senken. Auch auf die Fed-Gouverneurin Lisa Cook hatte Trump in dieser Woche Druck gemacht und ihren Rücktritt gefordert. Dazu teilte er in seinem Onlinedienst Truth Social einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, demzufolge ein Trump-Verbündeter der Ökonomin dubiose Immobilienkredite unterstellt und eine Untersuchung fordert. Am Freitag verschärfte der Präsident nun seinen Ton und sagte gegenüber Reportern in Washington, er werde Cook “feuern”, wenn diese nicht von sich aus zurücktrete.

Cook gehört dem siebenköpfigen Gouverneursrat der Fed seit Mai 2022 an. Sie ist die erste Schwarze auf diesem Posten und wurde von Trumps Vorgänger Joe Biden ernannt. Trump könnte Cook laut den Fed-Statuten nur im Fall eines schwerwiegenden Fehlverhaltens abberufen. Beweise präsentierte der Präsident in seinem Online-Post jedoch nicht.